„Junger Vertriebsspezialist mit 30 Jahren Erfahrung gesucht. Arabischkenntnisse auf C2-Niveau und Nobelpreis in Medizin obligatorisch.“
Was hier lustig anmutet, ist in vielen Stellenanzeigen von Mittelstandsunternehmen leider Realität: Es werden utopische Anforderungen formuliert, die mögliche Kandidat:innen nicht zur Kontaktaufnahme motivieren, sondern von vornherein abschrecken. Und als ob das noch nicht genug wäre, erfolgt im Anschluss nicht selten ein mehrstufiger Bewerbungsprozess, gegen den sich Asterix‘ Versuch, Passierschein A38 zu ergattern, wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang ausnimmt.
Ich bin ehrlich: Angesichts des Fachkräftemangels und der anderen wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit kann sich der Mittelstand ein solches Recruiting nicht mehr leisten. Zumal er eigentlich nur an drei Schrauben drehen müsste, um es effizienter und effektiver zu machen:
1. Authentische Arbeitgebermarke statt Hochglanz-Marketing
„In unserer Firma sind wir eine echte Familie“ – jede:r schreibt es, keine:r glaubt es. Anstelle der üblichen Werbe-Klischees sollten sich Unternehmen darauf besinnen, die tatsächliche Firmenkultur transparent und ehrlich vorzustellen. Spätestens, wenn Bewerber:innen einige Wochen im Betrieb arbeiten, können sie nämlich Schein von Sein unterscheiden – und sind dann womöglich enttäuscht.
2. Best Fit statt eierlegende Wollmilchsau
Klar, jede:r Arbeitgeber:in will eine:n Overperformer:in bei sich an Bord. Aber passt die Person überhaupt in das gewachsene Teamgefüge oder bringt sie alles durcheinander? Und muss sie wirklich von Anfang an alles können? Sinnvoller ist es, im Vorfeld zu definieren, was die:der Kandidat:in am ersten Tag können muss – und im Bewerbungsprozess dann zu eruieren, ob sie:er das Potenzial für mehr hat.
3. Chemistry-Meetings statt Bewerbungsmarathon
Keine Frage, ein umfassendes fachliches Assessment bietet Sicherheit. Aber leider keine 100-prozentige Gewähr, dass es in der Praxis dann auch wirklich klappt. Zudem nimmt es viel Zeit in Anspruch – Zeit, die für echte Probleme genutzt werden könnte. Warum also nicht geeignete Kandidat:innen direkt zu sich einladen und gemeinsam mit dem Team reale Herausforderungen lösen lassen?
Ich bin überzeugt, dass der Mittelstand mit dem Drehen an diesen Schrauben genau die Bewerber:innen anzieht, nach denen er sucht.





